Geschäftsbericht 2018
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Warum die dpa-Gründer für die Zukunft ganze Arbeit geleistet haben

VON PETER KROPSCH,
Vorsitzender der dpa-Geschäftsführung

Peter Kropsch, Vorsitzender der dpa-Geschäftsführung und Präsident der EANA (European Alliance of News Agencies)


Die dpa feiert 2019 ihr siebzigjähriges Bestehen. Wir begehen diesen Anlass am 1. Juli in Berlin mit einem Festakt im Beisein unseres Bundespräsidenten. So ein Jubiläum ist sicher die Zeit, um zurückzublicken. Mir ist es aber ein viel größeres Anliegen, nach vorne zu schauen. In einer Zukunft mit einer raschen Abfolge an gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen stehen viele der uns vertrauten Werte zumindest scheinbar auf dem Prüfstand. Doch sind unsere Werte die Grundsteine unserer Identität. Wie wir sie leben wollen, müssen wir gerade in Zeiten der Veränderung für uns immer wieder neu interpretieren.

Nun ist die dpa ein Unternehmen mit überzeugenden Werten: Als Deutschlands unabhängige Nachrichtenagentur berichtet sie für ihre Eigentümer und Kunden zuverlässig und ohne Einflussnahme seitens politischer, gesellschaftlicher und ökonomischer Kräfte. So ist es in den Gründungsdokumenten von 1949 festgelegt. Mit rund 180 Eigentümern, mehrheitlich Medienunternehmen, ist ihre Berichterstattung neutral und ausgewogen. Die dpa liefert damit die Grundversorgung an Nachrichten für eine Gesellschaft, die auf Basis von Fakten demokratisch entscheidet. Das ist der Sinn hinter all unserem Tun. Mit diesem Konzept haben die Gründer der dpa ganze Arbeit geleistet.


Gemeinsamkeit: Win-win als Konstruktionsprinzip

Die dpa wurde 1949 als Zusammenschluss der Agenturen der westlichen Besatzungszonen gegründet und ins Eigentum der deutschen Medien übergeben. Hier fanden somit gleich zwei Vorgänge mit prägendem Charakter statt: die Einigung dreier Nationen auf eine gemeinsame Nachrichtenagentur in Deutschland und der Entschluss von Medien mit unterschiedlichster Ausrichtung, Eigentümer eines gemeinsamen Unternehmens zu werden. Das Potenzial zur übergreifenden Einigung auf gemeinsame Ziele ist eine der Stärken der dpa, die in Zukunft noch wichtiger als heute werden wird.

Die dpa ist die einzige operative Organisation, in der praktisch alle Mediengattungen – privat oder öffentlich-rechtlich – Sitz und Stimme haben. Angesichts der Herausforderung durch internationale Plattformen ist die dpa eine Institution, über die jederzeit medienpolitisch relevante nationale Schulterschlüsse organisiert werden können. Der Aufsichtsrat, in dem alle Gruppen repräsentiert sind, bildet ein effizientes Gremium zur Meinungsbildung und Steuerung.

Diese zukunftsweisende Konstruktion bewirkt etwas für Wirtschaftsunternehmen sehr Spezielles: Die Strategie und das wirtschaftliche Verständnis der dpa zielt stets auf das Herbeiführen von Win-win-Situationen. Das gilt in Bezug auf ihre Mitglieder und Kunden, aber genauso für die gesamte Branche und die Qualität der Nach­richteninformationen an sich. Alle wichtigen Vorhaben der dpa zielen darauf, alle Beteiligten auf breiter Fläche zu unterstützen und ihre Entwicklungsmöglichkeiten zu verbessern. Dieses bereits 1949 definierte Konstruktionsprinzip wird in Zeiten der digitalen Transformation wichtiger, als es jemals war.


„Es ist ein zentrales Ziel der dpa, den nachweisbaren Nutzen für ihre Kunden permanent auszubauen.“  Peter Kropsch



Zuverlässigkeit als Währung des digitalen Zeitalters

2018 war für die dpa wie für unsere gesamte Branche ein Jahr, in dem wir erleben konnten, wie der „Klimawandel“ den gesellschaftlichen Diskurs mit voller Kraft erfasst hat. Falsche Informationen, haarsträubende Interpretationen und Äußerungen von Hass und Aggression sind nicht mehr Pannen in der öffentlichen Diskussion. Sie sind mittlerweile Bestandteile von Strategien zur Durchsetzung von Interessen. Wir sehen Social-Media-Plattformen, die sich in Bezug auf Falschinformationen verhalten wie Goethes Zauberlehrling, der die Besen, die er rief, nicht mehr im Griff hat. In der unfassbar großen Fülle der Teilnehmer und der schieren Menge der Kommunikation ist Missbrauch offenbar nicht mehr zu beherrschen. Darin liegt eine eminente Gefahr für unsere liberale Gesellschaftsordnung, die auf dem Konsens beruht, dass unseren Entscheidungen überprüfbare Fakten zugrunde liegen.

Für eine Nachrichtenagentur wie dpa ist Vertrauen eine unverzichtbare Geschäftsgrundlage. Es könnte zur zentralen Währung des digitalen Zeitalters werden, schreibt Meinolf Ellers, der Chief Digital Officer der dpa auf unserem Blog www.innovation.dpa.com. Unter diesen Vorzeichen sehen wir unsere Arbeit nicht nur als Service für unsere Kunden, sondern als gesellschaftliche Verpflichtung. Die Standards und die Faktentreue der dpa müssen unantastbar sein. Der transparente Umgang mit Fehlern, die immer passieren können und auch werden, ist dabei ein wichtiger Gradmesser für die journalistische Qualität. Der Wert „Zuverlässigkeit“ kann in diesem Sinne in seiner Bedeutung gar nicht überschätzt werden. Denn unsere demokratische Gesellschaft benötigt mehr denn je Medien, auf deren Zuverlässigkeit sie bauen kann.


Unabhängigkeit durch wirtschaftliche Stärke

Die dpa zählt zu den größten unabhängigen Nachrichten­agenturen weltweit. Sie wird gerade im internationalen Nachrichtenumfeld für die Unabhängigkeit der Berichterstattung hoch geschätzt. Dass wir Jahr für Jahr ein positives Ergebnis abliefern, beweist, dass wir uns aus eigener Kraft entwickeln können. Die überwiegende Zahl der Nachrichtenagenturen weltweit steht heute in staatlichem Besitz oder gar unter staatlichem Einfluss. Der Wechsel des Managements unmittelbar nach einem Regierungswechsel ist oft gängige Praxis. Unabhängig zu sein erfordert große wirtschaftliche Anstrengungen. Gerade auf unseren internationalen Märkten stehen wir in Konkurrenz mit anderen Agenturen, die massive staatliche Unterstützung erhalten.

Die London School of Economics (LSE) hat im Februar 2019 Fallstudien zur Situation europäischer Nachrichtenagenturen veröffentlicht. Von Europas drei internationalen Nachrichtenagenturen mit selbständiger weltweiter Nachrichtenaufbringung sowie Diensten in mehreren Sprachen und Kunden weltweit ist die dpa die einzige, die ohne staatliche Subventionen auskommt. Die übrigen Agenturen erhalten Zuschüsse in Höhe von mindestens einem Drittel des Umsatzes.

Gerade in Zeiten der Verschärfung des politischen Klimas auf der Welt ist es nicht auszuschließen, dass externe Kräfte versuchen werden, Einfluss auf Nachrichtenagenturen im Sinne ihrer Meinungspositionen zu nehmen. Allfällige wirtschaftliche Abhängigkeiten, die über normale Kunden-Lieferanten-Beziehungen hinausgehen, können Ansatzpunkte dafür sein. Eine starke wirtschaftliche Verfassung ist daher die beste Voraussetzung für eine unabhängige Nachrichtenagentur und für die Erfüllung ihrer Aufgaben für Medien und Gesellschaft.


Kundennutzen als laufender Qualitätsbeweis

„Für Eigentümer und Kunden“ zu arbeiten bedeutet, den Kundennutzen an erste Stelle zu setzen. Das war 1949 so und wird es in Zukunft sein. Nutzen bedeutet im engeren Sinn, mit hochqualitativen Services einen Beitrag zu mehr Umsatz, weniger Kosten oder innovativer Entwicklung zu leisten. Gerade in der angespannten Lage vieler Branchenunternehmen eröffnet sich künftig ein weites Betätigungsfeld. Die dpa ist gerade dann gut, wenn es um Leistungen oder Infrastrukturen geht, bei denen gemeinsames Vorgehen zu besseren Ergebnissen führt.

Gute Beispiele sind zentrale Redaktionsprojekte wie der „Profile-Prozess“ und „Performing Content“. Hier entwickelt die dpa gemeinsam mit einer Reihe von Kunden Inhalte und Lieferformen, die speziell auf die Ziele unserer Kunden abgestimmt sind: Bessere Ansprache definierter Zielgruppen, die Entwicklung von Usern zu Digitalabonnenten und das Halten dieser Abos sind einige Dimensionen von Nutzen. 

Auch die Entwicklung gemeinsamer Marktplätze für Handel und Beschaffung von Inhalten zahlt auf diesen Wert ein. Es ist ein zentrales Ziel der dpa, den nachweisbaren Nutzen für ihre Kunden permanent auszubauen. Dort werden wir den weitaus größten Teil unserer Kreativität investieren. Das ist der laufende Beweis der Qualität unserer Arbeit.

Große Tradition – starke Zukunft


Die dpa ist in vieler Hinsicht ein besonderes Unternehmen. Sie baut auf starke Werte, die nahtlos mit den Prinzipien unserer liberalen Gesellschaft harmonieren. Es ist die zentrale Aufgabe ihrer Teams, diese Werte auf die immer neuen Herausforderungen von Medien- und Informationsmärkten anzuwenden. Die Qualität der Menschen, die diese dpa ausmachen, unsere aktuelle Entwicklung und vor allem unsere Pläne für die nächsten Jahre stimmen zuversichtlich, die große Tradition der dpa in eine mindestens ebenso starke Zukunft zu führen.