Geschäftsbericht 2018


LAGEBERICHT



I. GRUNDLAGEN DES UNTERNEHMENS

Gegenstand des Unternehmens ist die Sammlung, Verarbeitung und Verbreitung von Nachrichten, Archiv- und Bildmaterial jeder Art. Zu diesem Zweck garantiert ein weltumspannendes Netz von Redakteuren und Reportern die eigene Nachrichtenbeschaffung, und zwar unparteiisch und unabhängig von jeglichen Weltanschauungsfragen, Wirtschafts- und Finanzgruppen oder Regierungen. So schreibt es der Gesellschaftsvertrag der dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH vor. Daran fühlen sich Unternehmensleitung sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gleichermaßen gebunden.

Beliefert werden mit diesem Material alle Arten von Medien: Zeitungen, Zeitschriften und Rundfunksender genauso wie Onlineangebote. Auch Parlamente, Verbände, Stiftungen und Unternehmen gehören zu den Kunden der dpa und stellen neben den Medien immer wichtigere Ertragssäulen dar.

Mit seinen Nachrichtenprodukten ist das Unternehmen im Wesentlichen im Inland tätig. Aus dem Inlandskundenkreis stammen auch die 179 Gesellschafter der dpa. Doch auch im Ausland werden inzwischen in mehr als hundert Ländern dpa-Dienste angeboten und vertrieben, sowohl in deutscher Sprache als auch auf Arabisch, Englisch und Spanisch. Dadurch trägt die dpa dazu bei, deutsche Themen und die deutsche Perspektive im Ausland zu verbreiten sowie die wichtigen Werte der Pressefreiheit und Unabhängigkeit zu fördern.



II. WIRTSCHAFTSBERICHT

1. Gesamtwirtschaftliche und branchenbezogene Rahmenbedingungen

Die Konjunktur in Deutschland hat 2018 insgesamt etwas an Schwung verloren, wie die Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) aufzeigen. Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt ist zwar zum neunten Mal in Folge gestiegen und liegt mit 1,5 % über dem Vorjahreswert, allerdings hatte das Wachstum der deutschen Wirtschaft 2017 noch bei 2,2 % gelegen. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist aber der deutliche und überdurchschnittlich hohe Zuwachs im Bereich Information und Kommunikation (3,7 %), der das Geschäft von Verlagen und Plattformen insgesamt unterstützt haben dürfte.

Der Kernmarkt der Deutschen Presse-Agentur zeigt sich trotz leicht rückläufiger Eckdaten weiterhin stabil. So erreichten die deutschen Zeitungen 2018 mit 55,8 % weiterhin deutlich über die Hälfte der Bevölkerung (2017: 57,9 %). Die Gesamtreichweite der Blätter liegt bei 39,3 Millionen Leserinnen und Lesern über 14 Jahren und damit nur leicht unter Vorjahr (40,6 Millionen). Mit 31,7 Millionen Konsumenten verzeichnen die regionalen Abozeitungen im Vergleich zu Kaufzeitungen und überregionalen Titeln weiterhin die höchste Reichweite. Diese Zahlen veröffentlichte die Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (agma) im August vergangenen Jahres.

Laut IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V.) ging die Anzahl der verkauften Tageszeitungen einschließlich der Sonntagsausgaben und Sonntagszeitungen weiter zurück. Das vierte Quartal zeigt ein Minus zum Vorjahresquartal von 4,1 %. Dagegen kann die Branche bei E-Papern mit zweistelligen Wachstumsraten planen. Um 14 % stiegen die Verkäufe von elektronischen Zeitungen im Vergleich zu 2017, bei den Publikumszeitschriften sogar um 19 %. Insgesamt nehmen E-Paper einen immer größeren Anteil an der Gesamtauflage ein. IVW weist für das vierte Quartal 2018 täglich 1,39 Millionen verkaufte Digital-Zeitungen aus, was rund 9 % aller verkauften Exemplare entspricht.

Ermutigende Signale gehen auch von der Deloitte-Studie „Media Consumer Survey 2018“ aus. Demnach steige die Popularität digitaler News-Angebote spürbar. 15 % der Befragten gaben an, mindestens einmal pro Woche ein Paid-Content-Angebot anzunehmen – entweder als E-Paper, als Bezahl-Abo oder im digitalen Einzelverkauf. Die Unternehmensberatung hat außerdem ermittelt, dass E-Paper insbesondere bei den jüngeren Zeitschriftenlesern auf Interesse stoßen. So gab fast jeder Zweite zwischen 25 und 35 Jahren an, mindestens einmal wöchentlich ein Zeitschriften-E-Paper zu lesen.

Im Hinblick auf politischen Druck und Einflussnahme sowie konkrete Gewaltanwendung gegenüber Journalisten hat das Jahr 2018 insgesamt wenig Entspannung gebracht. Nach Angaben von Reporter ohne Grenzen wurden weltweit mindestens 80 Journalisten getötet – 49 von ihnen gezielt aufgrund ihrer journalistischen Tätigkeit. Insgesamt 348 Medienschaffende saßen im Dezember 2018 weltweit in Haft. Als überaus besorgniserregend kann darüber hinaus der Mord an dem saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi bezeichnet werden, der weltweit für Empörung gesorgt hat.

Gleichzeitig haben die permanenten Angriffe von US-Präsident Donald Trump auf die Presse eine weitere Eskalationsstufe erreicht. Regelmäßig denunziert Trump Medienvertreter als „Feinde des Volkes“ und schürt damit die gesellschaftlichen Spannungen im Land. Die Entziehung der Presse-Akkreditierung von CNN-Reporter Jim Acosta durch das Weiße Haus machte international Schlagzeilen und stand stellvertretend für den Umgang der Trump-Administration mit den Medien.

In Europa ist insbesondere in der Türkei die Situation für Medien und Journalisten weiterhin kritisch. Berichtet wird von rund 150 Journalisten, die dort im Jahresverlauf inhaftiert waren. Besorgniserregende Entwicklungen sind auch in Ungarn zu beobachten, wo Medienbetriebe des Landes in großer Zahl von einer regierungsnahen Stiftung kontrolliert werden. Auch im EU-Nachbarland Polen stehen die Zeichen zwischen den freien Medien und der Regierungspartei PiS auf Konfrontation.

Aber auch in Deutschland hat sich die Situation für die Berichterstatter weiter zugespitzt – insbesondere bei den Vorkommnissen im August 2018 in Chemnitz. Dort wurden Medienvertreter, darunter auch dpa-Foto­grafen, körperlich angegriffen und rüde beschimpft, ohne auf den entsprechenden Schutz durch die Einsatzkräfte setzen zu können. Neben individuellen Schutzmaßnahmen und Krisentrainings für die betroffenen dpa-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entschied sich der dpa-Aufsichtsrat zu einer Resolution, in der das Gremium die Wahrung der freien Berichterstattung in Deutschland einforderte.